Eine Band auf den Spuren der Edda


Vor nunmehr fünf Jahren hat die Folk-Metal-Band ihr letztes Album veröffentlicht: die „Götterlieder I". Der Erfolg war ihnen damit beschieden, und von Seiten der Kritiker gab es höchstes Lob. Ganz frisch ist nun die Fortsetzung des Silberlings erschienen, die „Götterlieder II". Wieder geht es um die Welt aus der nordischen Mythologie, inspiriert von der Edda, musikalisch wie inhaltlich, denn dieser Thematik haben sich „Odroerir" schon seit langem verschrieben. Karfunkel hat mit der Band gesprochen - über die neue Scheibe und noch viel mehr!

Erzählt uns vielleicht zuerst einmal etwas über Euch selbst. Wie ist “Odroerir“ entstanden, wie hat alles angefangen?

Stickel: Gegründet wurde die Band bereits 1998 von unserem Bandleader und Komponisten Fix, nachdem er seine damalige Band Menhir (bei denen er früher Schlagzeug spielte) zwischenzeitlich verlassen hatte.
 Ich selbst kannte Fix bereits von diversen Sonnenwendfeiern und Konzerten, als er mich 1999 fragte ob ich nicht Lust hätte, in seiner Combo zu spielen. Das Konzept einer möglichst Klischeefreien Folk/Pagan Metal Band abseits bereits ausgetretener Pfade mit historisch und mythologisch verifizierbarem Hintergrund, sprach mich sofort an und schon war ich am Start.
Bei unserer ersten Bandprobe in den Katakomben eines örtlichen Jugendhauses, in dem Bands unterschiedlichster Stilrichtungen von Punk über Rock und Metal bis hin zu Hip-Hop wunderbar koexistieren, wurde mir noch unser heute nicht mehr weg zu denkender Schlagzeuger Philipp als vorübergehende Aushilfe vorgestellt. Jahrelang mußten wir leider, auch mangels geeigneter Musiker, live für die Geigenmelodien auf ein schreckliches Keyboard zurückgreifen, welches unsere damalige Sängerin spielte.
2004 kam dann die Erlösung in Person unseres einzigen ausgebildeten Musikers Veit, der seitdem für Geige und Cellos zuständig ist. Im Laufe der Jahre ersetzte Marley unseren alten Bassisten Ralph und seit 2006 ist Natalie für den weiblichen Gesang zuständig.
Nun haben wir seit 4 Jahren ein stabiles Line up  - 6 Menschen wie sie charakterlich kaum unterschiedlicher sein könnten und dennoch wunderbar miteinander harmonieren.

Was bedeutet “Odroerir“ eigentlich?

Stickel: „Odroerir“, grob übersetzt „der den Geist berauschende“, bezeichnet in der Edda den „Skaldenmet“, der in der Lage ist Götter und Menschen zu höchster Dichtkunst zu inspirieren.
Die Zwerge Fjalar und Galar ermordeten Kwasir, den weisesten Mann der Welt, welcher einst aus dem Speichel der Asen und Wanen erschaffen wurde und auf jede Frage zu antworten vermochte. Sein Blut vermischten sie mit Honig und bereiteten daraus den Skaldenmet zu, welcher von Odin in Adlergestalt geraubt wurde und so zu den Asen gelangte.
Laut Sage verschüttete er, während er über Midgard flog, einige Tropfen des köstlichen Trankes. Jene, denen so ein Schluck des Skaldenmetes zu Teil wurde, verfügten sodann leider nur über eine mangelnde Dichtkunst.

Wie würdet Ihr Euren Stil einordnen, und was versteht Ihr unter Pagan Metal?

Stickel: Unseren Stil einzuordnen liegt natürlich immer im Auge des Betrachters, aber ich denke die Bezeichnung epischer Folk Metal ist recht treffend gewählt.
Allerdings machen wir es dem Hörer nicht unbedingt einfach, uns in musikalischen Nischen einzuordnen. Metal-typisches double bass drumming fehlt zum Beispiel komplett,
auch growls/screams sind bis auf ein paar sporadische Stellen praktisch kaum vorhanden.
Dafür findet man neben dem regulären Metal / Rock Instrumentarium eine große Anzahl akustischer Instrumente, von Gitarren über Mandolinen und Mandolas bis hin zu Flöten, Geigen und Cellos. Vor allem die orchesterartig arrangierten Cello Passagen in Verbindung mit  vielstimmigen Chören lassen mich selbst mitunter eher an Filmmusik denken.
Viel Wert legen wir auch darauf niemals Keyboards oder Synthesizer zu verwenden, sondern alles mit natürlichen Instrumenten einzuspielen oder zu singen.
Nun, Pagan Metal sollte vor allem einen historischen und/oder mythologischen Bezug aufweisen, gleich welcher Kultur. Dies nur auf die inzwischen vollkommen von unsinnigen Klischees überfrachtete nordische Sagenwelt festmachen zu wollen, halte ich für falsch.
So könnte ich mir auch sehr gut Pagan Metal über die wundervolle griechische Mythologie vorstellen oder über die Kultur der Inkas oder gar der Sumerer.

Die Mythologie ist ein wichtiger Bestandteil Eurer Texte. Aus welchen Bereichen kommen die Einflüsse für Euer neues Album?

Stickel: Als Quelle der Inspiration für den lyrischen Inhalt des Albums läßt sich nur  eine nennen:
Dieses poetische, mit metaphorischen Umschreibungen strotzende Meisterwerk und einzigartiges Kompendium nordischer Mythen und Heldensagen namens Edda.
 
Würdet Ihr das Album als eine direkte Fortsetzung der “Götterlieder I“ bezeichnen?

Stickel: „Götterlieder II“ knüpft inhaltlich wie auch musikalisch nahtlos da an, wo wir auf der letzten Scheibe aufgehört haben. Textlich spiegelt das Album immer noch die Götterlieder der Edda wieder, welche derart umfangreich sind, daß auch mit dieser Veröffentlichung noch nicht alle Geschichten erzählt sind und höchst wahrscheinlich noch Götterlieder Teil 3 und eventuell auch 4 folgen werden.
Auch musikalisch ist alles eine konsequente Fortsetzung dessen, was wir auf dem ersten Teil begonnen haben. Der folgende Satz bringt mich zwar zum grinsen, da ihn sich wohl nahezu jede Band bei Veröffentlichung eines neuen Albums auf die Fahnen schreibt, aber ich komme nicht umhin zu erwähnen, daß wir uns glücklicherweise musikalisch noch mal ein ganzes Stück weiterentwickelt haben und vor allem die Kompositionen von Fix an Qualität deutlich zugelegt haben.
So gipfelt dann auch das Album im finalen Stück, eine Ode an Allvater höchst persönlich, in ein fast 20 minütiges Epos, welches nahezu alles beinhaltet was wir zu bieten haben.
Orchesterartig arrangierte Streicher, diverse akustische Instrumente, von 4 Sängern jeweils mehrstimmig eingesungene Chöre, Soloparts der Melodie führenden Instrumente und stampfende Metal/Hardrock Rhythmen. 
Einziger Wermutstropfen ist, daß wir ein solches Stück wohl nie, oder nur mit Zuhilfenahme technischer Hilfsmittel oder unzähliger Gastmusiker, werden live umsetzen können.

Können unsere Leser Euch bald wieder live erleben?

Stickel: Am 12.06. werden wir mit allen interessierten Gästen unsere Releaseparty zum neuen Album im KW70 in Bad Salzungen feiern. Mit dabei sind zudem unsere Freunde von Heidevolk, Helfahrt und Waldgeflüster.
Auf dem diesjährigen Rock for Roots in Nauen werden wir auch zu Gast sein und für den September ist eine kleine Tour zusammen mit Skyforger, XIV Dark Centuries und Gernotshagen geplant.

Vielen Dank für das Interview!